Wo ist meine Hummel?

Haltet mich bitte nicht für verrückt – auch wenn es schwer fällt – aber folgende Szene stelle ich mir so oder so ähnlich sooooo gerne vor:

Wir haben das Jahr 2017 / 2020 / 2025 (?) und auf meinem Schoß sitzt ein quirliger kleiner Zwerg, ein Eis zur Hälfte in der Hand und zur Hälfte auf dem T-Shirt. Wir sitzen auf der Wiese und gucken uns die Wolken an. Um uns herum blühen Obstbäume und hinter uns leuchtet das rote Schwedenhaus vor dem blauen Sommerhimmel… Herr Bpunkt ruft uns zu, dass der Kaffee fertig ist und wir uns an den Tisch setzen können. Ein Küsschen auf die Stirn für den Zwerg. Verfolgungsjagd zum Terrassentisch. Von der Küche aus führt eine Tür direkt in den Garten und schon sitzen wir drei zusammen und genießen den sonnigen Nachmittag… 

Lange hält der Zwerg es nicht aus und zieht wieder los in den Garten. Blödsinn, Unsinn oder sonst einen Quatsch veranstalten. Auf jeden Fall Dinge tun, bei denen alles dreckig wird. Ich mache den Laptop an und gemeinsam schauen wir uns wieder unseren alten Blog an. Lesen Zeilen aus der weit entfernten Vergangenheit. Einer verrückten Zeit in der wir um unseren Traum vom Wunschzwerg und auch vom Haus kämpfen mussten. Damals lebten wir noch in der 2,5 Zimmer Bude und unsere Pinterest Boards quollen förmlich über vor Dingen, die wird mit unseren Zukunftszwergen anstellen wollten oder Ideen wie wir unser Häuschen gestalten und einrichten würden.

Verrückt? Ja ich weiß… Aber ich kann nichts dagegen tun. Das Schlimmste – nach dem ständigen Warten, all den Niederschlägen, den enormen Kosten, den grauen Haaren, den vergossenen Tränen und immer wieder zerstörten Hoffnungen – also sozusagen das Allerschlimmste ist doch, dass man nie sicher sein kann, ob es wirklich gut ausgeht. Ich wünschte mir so sehr, es würde ein kleines Hummelchen vorbeigesummt kommen um mir ins Ohr zu brummen:

„Puppe ich weiß es ist total zermürbend, aber bleib dran. Es wird klappen und ihr werdet Nachwuchs bekommen! Arschbacken zusammenkneifen! ALLES WIRD GUT!“

Ist das denn – etwa – zu viel verlangt?

In diversen Blogs über all in dieser riesigen virtuellen Welt habe ich die verschiedensten Szenarien gesehen, wie der Weg enden kann. Allzuoft habe ich von ICSIs gelesen, die nicht erfolgreich waren. Das ist schon furchtbar genug, denn man hat ja auch nur drei von der Krankenkasse (mit)-finanzierte Versuche. Natürlich gibt es auch Fälle in denen die ICSI zum positiven Schwnagerschaftstest führt, die Schwangerschaft jedoch nicht intakt ist. Ich habe furchtbare Angst vor dem Verlust eines Babys, egal in welchem Stadium einer möglichen Schwangerschaft. (Und nein, ich bin noch nicht einmal schwanger…). Auch eine Adoption ist eine Option für viele Paare bei denen der Kinderwunsch über viele viele Jahre unerfüllt bleibt – auch bei uns war dies schon ein Thema. Am liebsten lese ich aber natürlich von Paaren, bei denen die ICSI zum Erfolg führte und die am Ende ein oder sogar zwei Zwerge bekommen. DAS macht mir Hoffnung!

Manche sagen mir, ich solle nicht so viel über andere Paare in Kinderwunschbehandlung lesen, solle mich lieber entspannen (Autsch!) und mich nicht verrückt machen (Doppelautsch!). Aber wer diesen ganzen Zirkus kennt, der weiß, dass es einfach UNMÖGLICH ist, seine Gedanken nicht den lieben langen Tag um dieses Thema kreisen zu lassen und nicht verrückt zu werden. Man wird permanent medizinisch überwacht, angezapft, Werte werden besprochen, Spritzen gesetzt, Follikel gezählt, ausgemessen und bejubelt, der Eisprung wird ausgelöst und dann kommt der Bluttest. Wer kann da nicht an seinen größten Wunsch denken?!?! Klar wünschte ich mir auch wir müssten es uns einfach an einigen Tagen im Monat ganz besonders heimelig und gemütlich machen um dann wenige Wochen oder Monate später einen positiven Test in den Händen halten zu können. Aber so ist es eben nicht. Ganz und gar nicht.

Durch meine Internetsucht, die Blogleserei und Instagramaktivitäten, war ich von Anfang an gut informiert, kannte die verschiedenen Formen der Kinderwunschbehandlung und hatte somit auch eine vage Ahnung davon, was uns erwarten könnte. Natürlich hoffte ich insgeheim nicht bis zur ICSI (und darüber hinaus?!?) gehen zu müssen… aber nunja. Ich starte diesen Blog heute vor allem um mir die vielen Gedanken, Grübeleien und Sorgen von der Seele schreiben zu können. Wie viele Monate oder Jahre es wohl dauern mag, weiß ich nicht (Hummelchen, wo bist du????) aber ich hoffe einfach sooo so sehr, dass unser Wunsch eines Tages wahr werden wird und dass dieser Blog dann die Hummel für eine andere Kiwu-Frau ist und ihr Hoffnung spenden kann! 🙂

Vor 2 Tagen erst beschlossen wir mit der Kiwu nun doch ICSIs statt der IUIs zu beantragen. Seitdem stehe ich komplett neben mir. Allein die Aussicht darauf, dass es bald weitergehen könnte und es dann wirklich eine realistische Chance für uns geben könnte, macht mich ganz kirre… Dann kommt das Gedankenkarussel in Schwung (Krankenkassenirrsinn. Kosten! Genug Follikel? Transfer? Beschwerden? Krankschreibung? Negativ? Positiv! Fehlgeburt? Kinderwagen? Hausbau!!!…) und es ist um mich geschehen. Wie macht ihr das alle nur????

Also, hat mal jemand eine Glaskugel für mich? Und bitte (BITTE!) sagt mir, dass es euch manchmal genauso geht… 🙂

Alles Liebe,
Frau Bpunkt

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9 Gedanken zu “Wo ist meine Hummel?

  1. Ich bin zwar nicht auf künstliche Befruchtung angewiesen gewesen, aber wegen der beiden Fehlgeburten habe ich mich auch immer gefragt, ob wir jemals gesunde Kinder haben würden. Oder ob wir ein Haus bauen mit Kinderzimmern, die immer leer bleiben werden… Ich kenne das Gefühl also auch. Und gerne würde ich sagen, dass am Ende alles gut wird. Aber leider bin ich kein Orakel. Nur soviel: Ich drücke euch fest die Daumen und glaube an deine Zukunftsvision!🍀

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  2. Ich habe leider auch keine Glaskugel hier. Wir versuchen es nun 14 Monate, im Mai haben wir das Erstgespräch in der KiWu-Praxis. Und ich hoffe so sehr, dass uns geholfen wird bzw. werden kann!
    Ich ticke exakt wie du, was das Gedankenkarussell angeht. Du bist also nicht allein!! Außerdem habe ich auch so manche Tagträume vom Wunschkind wie es mir die Schränke ausräumt, mit einem aufgeschürften Knie zu mir kommt oder einfach die kleinen Hände nach mir ausstreckt. Bis zu einem gewissen Grad tut es mir sogar gut, aber die Ungewissheit macht einen irre. Meine Schwester macht mir Mut: Sie brauchte 6 Jahre. Natürlich hoffe ich, dass wir nicht so lange warten müssen, aber lieber 6 Jahre warten als nie ein Kind zu haben …
    Aber ja, wann wird alles gut?! Schreckliche Frage, die wohl jede Person mit KiWu schon gedacht hat.

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  3. Liebe Frau Bpunkt, ich kann Dir sagen, auch mir geht es ganz oft ganz genau so!!! Seit 4 Jahren warten wir auf den Wirbelwind in unseren 4 Wänden und auch ich wünsche mir so oft ein Zeichen (woher auch immer), dass mich wissen lässt, dass sich das Warten lohnen wird. Nie, aber wirklich niemals hätte ich mir vorstellen können, wie schlimm es sich anfühlt in dieser Situation zu sein und das Natürlichste der Welt nicht auf die Reihe zu bekommen. Während es bei allen anderen um einen herum ja alles kein Problem ist (Pille abgesetzt, UPS – Überraschung!! So schnell hätte man gar nicht damit gerechnet). Aber es nützt alles nix!!! Da müssen wir durch und ich hoffe für Dich und für mich und all die anderen Paare, die so sehr kämpfen müssen, dass wir für diese Zeit belohnt werden!!

    Viele liebe Grüße
    Kitty

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  4. Wenn Du der Hummel begegnest, kannst Du sie bitte auch zu mir schicken? Ich habe auch oft genau diese Gedanken: wenn ich nur wüsste, dass sich all der Aufwand, all die Schmerzen, die Angst, das Bibbern, der Stress, diese ganze Aufregung irgendwann lohnt und ich mit meinem eigenen Kind durch den Garten jagen kann… Ich würde das alles ohne mit der Wimper zu zucken durchziehen. Aber leider weiß ich nicht wo der Weg hingeht. Hoffentlich werden wir alle eines Tages zu Mutmachern für die anderen.. Alles Liebe Dir

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  5. Ich kann jedes Wort von Dir sooo gut nachempfinden. Mein Mann und ich befinden uns am Anfang des Weges zu unserem Wunschkind. Ende April haben wir unseren ersten Termin in der KiWu Klinik.
    Ich höre hier auch immer wieder Sätze wie “ Du musst das aus dem Kopf kriegen dann klappt das schon“ .
    Diese kleine Hummel darf gern mal bei uns vorbei summen 🙂

    Alles Liebe für euch !

    Liebe Grüße
    Lotta

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